Apps gegen Angst

Apps gegen Angst im Vergleich: Rezept-Apps, Selbsthilfe-Apps und was die Kasse zahlt

Wer „App gegen Angst“ sucht, findet zwei Welten, die sich kaum berühren: geprüfte Anwendungen auf Rezept, die die Krankenkasse bezahlt, und Selbsthilfe-Apps aus dem App Store, die sofort loslegen. Hier stehen beide nebeneinander, mit ihren Bedingungen, Kosten und Grenzen. Auch für unsere eigene App, Face it, ohne Beschönigung.

Das Wichtigste in Kürze

  • Bei einer diagnostizierten Angststörung ist eine DiGA auf Rezept (velibra, Invirto, Mindable, HelloBetter) der günstigste Einstieg: geprüft, wirksamkeitsbelegt und für gesetzlich Versicherte kostenlos.
  • Selbsthilfe-Apps wie Rootd, DARE und Face it brauchen kein Rezept und keine Diagnose, kosten aber im Abo. Sie unterscheiden sich stark im Ansatz: beruhigen und begleiten oder konfrontieren.
  • Die Kasse zahlt nur DiGAs. Face it wird von keiner Kasse erstattet, das sagen wir hier offen.
  • Entscheidend ist nicht die Bewertung im Store, sondern dein Status: Diagnose vorhanden, akute Panik, Wartezeit auf Therapie oder festgefahren in der Vermeidung.

Kurzantwort: Welche App gegen Angst passt zu dir?

Statt einer Rangliste ein paar klare Wenn-dann-Sätze. Such dir den, der auf dich zutrifft.

Du hast eine Diagnose (Panikstörung, Agoraphobie, soziale Angststörung) oder vermutest eine. Frag bei Arzt oder Psychotherapeutin nach einer DiGA auf Rezept. Geprüft, strukturiert, für dich kostenlos. Welche davon zu welcher Diagnose passt, steht im nächsten Abschnitt.

Du hast Panikattacken und brauchst im Moment der Attacke etwas an der Hand. Dafür sind Rootd und DARE gebaut: ein Panik-Knopf, eine Stimme, die dich durch die nächsten Minuten bringt. Face it hat dafür den Reality Check, der kostenlos bleibt.

Du weißt, was zu tun wäre, tust es aber nicht. Du vermeidest den Bus, das Meeting, die volle Kasse, und jede App, die dich beruhigt, macht das Vermeiden nur bequemer. Dann brauchst du keine Beruhigung, sondern ein Gegenüber, das dich Schritt für Schritt zurück in die Situationen bringt. Genau dafür ist Face it gebaut.

Du wartest auf einen Therapieplatz. Drei bis neun Monate sind normal. In dieser Zeit kann eine DiGA (mit Diagnose) oder eine strukturierte Selbsthilfe-App die Lücke füllen. Was du in der Wartezeit konkret tun kannst, steht hier.

Apps auf Rezept: velibra, Invirto, Mindable, HelloBetter

DiGA heißt „Digitale Gesundheitsanwendung“: eine App, die als Medizinprodukt geprüft, vom BfArM zugelassen und auf Rezept von der gesetzlichen Krankenkasse bezahlt wird. Für Angststörungen gibt es mehrere, jede mit einem klar umrissenen Einsatzgebiet:

  • velibra: Online-Programm nach kognitiver Verhaltenstherapie für Panikstörung, Agoraphobie und soziale Angststörung. Textbasiert, über mehrere Wochen, mit Übungen zwischen den Einheiten.
  • Invirto: Therapieprogramm für Panikstörung, Agoraphobie und soziale Angst, das die Konfrontation mit einer VR-Brille ins Wohnzimmer holt und therapeutisch begleitet wird.
  • Mindable: Zwei Programme, eines für Panikstörung und Agoraphobie, eines für soziale Phobie, jeweils mit Psychoedukation, Übungen und Feedback.
  • HelloBetter Panik: Kurs gegen Panikstörung und Agoraphobie, ebenfalls verhaltenstherapeutisch, mit Begleitung durch Psychologinnen.

So kommst du an eine DiGA: Entweder verschreibt sie dir Arzt oder Psychotherapeutin, oder du reichst eine passende Diagnose direkt bei deiner Kasse ein. Du bekommst einen Freischaltcode, meist für 90 Tage. Kosten für dich: keine. Die Grenzen: Du brauchst eine Diagnose, die Programme laufen nach festem Plan, und wer keine Angststörung im klinischen Sinn hat, sondern „nur“ ständig vermeidet, fällt durchs Raster.

Das ist ehrlicher Rat, auch wenn keine dieser Apps von uns ist: Wenn du eine Diagnose hast, ist eine DiGA der vernünftigste erste Schritt.

Apps ohne Rezept: Rootd, DARE, Face it

Die zweite Welt: Apps, die du heute lädst und in fünf Minuten benutzt. Kein Rezept, keine Diagnose, dafür ein Abo. Drei davon sind im deutschsprachigen App Store relevant, und sie machen sehr Verschiedenes.

Rootd ist die Panik-App fürs Akute. Ein großer Knopf für den Moment der Attacke, Atemübungen, kurze Lektionen zum Verständnis von Panik. Basisfunktionen kostenlos, der Rest im Abo. Stark, wenn du im Moment der Panik etwas brauchst, das dich hält. Schwächer, wenn dein Problem nicht die Attacke ist, sondern alles, was du seitdem vermeidest.

DARE setzt auf die gleichnamige Methode von Barry McDonagh: Audio-Anleitungen, die dich einladen, die Panik nicht zu bekämpfen, sondern zuzulassen. Das ist näher an der Konfrontation als reines Beruhigen, bleibt aber bei der Attacke selbst stehen. Auch hier: Grundfunktionen gratis, Vertiefung im Abo.

Face it ist die dritte Sorte und die einzige, die nicht bei der Attacke ansetzt, sondern bei der Vermeidung. Du bekommst eine tägliche Session von fünf bis zehn Minuten, deine persönliche Angstleiter mit echten Schritten aus deinem Alltag, und einen KI-Coach, der dich konfrontiert statt beruhigt. Dein Vermeidungs-Level siehst du als Kurve, die sich nur bewegt, wenn du dich bewegst. Drei Tage kostenlos, danach im Jahresabo rund 5 € im Monat. Wie der Coach genau arbeitet, liest du hier.

Damit es nicht nach Prospekt klingt: Face it ist keine DiGA, kein Medizinprodukt, kein Therapieersatz und kein Notdienst. Es ist der Coach für die Tage dazwischen, wenn du weißt, was zu tun wäre, und niemand da ist, der es mit dir durchzieht.

Welche Apps gegen Angst zahlt die Krankenkasse?

Die kurze Antwort: nur DiGAs. velibra, Invirto, Mindable und HelloBetter Panik übernimmt die gesetzliche Kasse vollständig, sobald ein Rezept oder eine Diagnose vorliegt. Viele private Kassen ziehen nach, das musst du im Einzelfall erfragen.

Selbsthilfe-Apps wie Rootd, DARE oder Face it erstattet keine Kasse. Es gibt eine Ausnahme, die viele nicht kennen: Zertifizierte Präventionskurse nach § 20 SGB V, etwa zu Stressbewältigung, werden mit 75 bis 100 Prozent bezuschusst, auch als Online-Kurs. Ob ein Anbieter so einen Kurs hat, steht meist auf seiner Website. Face it hat aktuell keinen; sobald sich das ändert, steht es hier.

Wenn dir die Kostenübernahme wichtig ist, ist der Weg also klar: Diagnose, Rezept, DiGA. Alles andere zahlst du selbst.

Kostenlose Apps gegen Angst: was wirklich gratis ist

„Kostenlos“ bedeutet bei Angst-Apps drei verschiedene Dinge:

  • Kostenlos für dich, weil die Kasse zahlt: jede DiGA mit Rezept. Das ist der einzige Weg zu einem vollständigen Programm ohne eigene Kosten.
  • Gratis-Basis, Abo für den Rest: Rootd und DARE lassen dich die Grundfunktionen nutzen; Kurse und Vertiefungen kosten.
  • Ein Werkzeug, das dauerhaft frei bleibt: Bei Face it ist das der Reality Check, die Soforthilfe für den Moment der Panik. Er bleibt kostenlos, auch ohne Abo.

Eine komplette, strukturierte Selbsthilfe-App ohne jede Kosten gibt es nicht. Wer das verspricht, verkauft entweder deine Daten oder ein Abo im zweiten Schritt. Was es bei Panikattacken konkret gratis gibt, steht hier im Detail.

Alle sieben Apps in einer Tabelle

Lies die Zeilen und schau, welche zu deinem jetzigen Punkt passt. Keine der Apps ist „die beste“, jede ist für einen anderen Moment gebaut.

AppAnsatzRezept nötig?Kosten für dichFür wen
velibraKVT-Programm, textbasiertJa (DiGA)0 €, Kasse zahltDiagnose Panik, Agoraphobie, soziale Angst
InvirtoKVT mit VR-Konfrontation, begleitetJa (DiGA)0 €, Kasse zahltDiagnose Panik, Agoraphobie, soziale Angst
MindableKVT-Programm mit Übungen und FeedbackJa (DiGA)0 €, Kasse zahltDiagnose Panik/Agoraphobie oder soziale Phobie
HelloBetter PanikKVT-Kurs mit psychologischer BegleitungJa (DiGA)0 €, Kasse zahltDiagnose Panikstörung, Agoraphobie
RootdPanik-Knopf, Atmung, LektionenNeinBasis gratis, Abo für KurseAkute Panikattacken, erste Orientierung
DAREAudio-Methode: Panik zulassen statt bekämpfenNeinBasis gratis, Abo für VertiefungPanikattacken, Angst vor der Angst
Face itKonfrontation in kleinen Schritten, täglich, mit KI-CoachNein3 Tage gratis, dann ab 5 €/Monat im JahresaboWer vermeidet und es allein nicht durchzieht

Zwei Hinweise zur Tabelle: Die DiGA-Angaben beziehen sich auf gesetzlich Versicherte mit Verordnung. Und Face it ist die App, die diese Seite betreibt, deshalb steht sie als letzte Zeile und nicht als erste.

Woran du eine gute Angst-App erkennst

Bewertungen im Store sagen wenig, weil die meisten Menschen eine App bewerten, bevor sie etwas verändert hat. Vier Fragen sind aussagekräftiger:

  1. Bringt sie dich in die Situation oder nur aus der Angst? Beruhigung lindert den Moment. Was die Angst auf Dauer kleiner macht, ist Konfrontation in kleinen Schritten. Eine App, die dich nie in eine gemiedene Situation schickt, hält dich beim Vermeiden. Warum das so ist, steht hier.
  2. Hat sie eine Struktur, die du durchhältst? Fünf Minuten am Tag mit klarem nächstem Schritt schlagen ein Programm, das du nach Woche zwei liegen lässt.
  3. Was passiert mit deinen Daten? Angst-Daten sind Gesundheitsdaten. Datenschutzerklärung lesen, Serverstandort prüfen, Konto löschen können.
  4. Sagt sie dir ehrlich, was sie nicht kann? Keine App ersetzt eine Therapie, und keine ist ein Notdienst. Eine App, die das nicht deutlich schreibt, meint es nicht ernst.

Tiefer einsteigen

Dieser Vergleich ist der Überblick. Wenn du an einem Punkt genauer hinschauen willst:

Häufige Fragen

Was ist die beste App gegen Angst?

Die, die zu deinem Punkt passt. Mit Diagnose: eine DiGA auf Rezept (velibra, Invirto, Mindable, HelloBetter), geprüft und kostenlos. Für den Moment der Panikattacke: Rootd oder DARE. Wenn du festgefahren bist und vermeidest, obwohl du weißt, was zu tun wäre: ein konfrontativer Coach wie Face it. Eine App, die für alle die beste ist, gibt es nicht.

Welche App gegen Angst zahlt die Krankenkasse?

Die gesetzliche Krankenkasse zahlt zugelassene DiGAs: velibra, Invirto, Mindable und HelloBetter Panik. Du brauchst ein Rezept von Arzt oder Psychotherapeutin oder reichst eine Diagnose bei der Kasse ein. Selbsthilfe-Apps ohne Rezept, auch Face it, werden nicht erstattet.

Gibt es eine gute kostenlose App gegen Angst?

Vollständig kostenlos ist nur eine DiGA auf Rezept, weil die Kasse sie bezahlt. Rootd und DARE bieten kostenlose Grundfunktionen und ein Abo für den Rest. Bei Face it bleibt der Reality Check, die Soforthilfe bei Panik, dauerhaft kostenlos; die tägliche Session und der Coach kosten nach drei Gratis-Tagen.

Was ist der Unterschied zwischen Rootd und Face it?

Rootd hilft dir durch die Panikattacke: Knopf drücken, atmen, verstehen, was passiert. Face it setzt danach an: bei allem, was du seit den Attacken vermeidest. Es baut deine Angstleiter, gibt dir täglich einen konkreten Schritt und konfrontiert dich, statt dich zu beruhigen. Wer beides braucht, kann beides nutzen.

Kann eine App gegen Angst eine Therapie ersetzen?

Nein. Bei leichter bis mittlerer Angst kann eine strukturierte App viel bewegen, und in der Wartezeit auf einen Therapieplatz ist sie eine sinnvolle Überbrückung. Bei schwerer Angst, Depression, Trauma oder wenn du seit langem feststeckst, gehört eine Behandlung dazu. Das gilt für jede App auf dieser Seite, auch für unsere.

Quellen

  1. DiGA-Verzeichnis des BfArM (zugelassene digitale Gesundheitsanwendungen)
  2. Stiftung Warentest: Apps gegen Angststörungen im Test
  3. S3-Leitlinie Behandlung von Angststörungen (AWMF)

Du kennst jetzt beide Welten. Wenn deine „nicht mehr vermeiden“ heißt, fang hier an.

Face it baut deine Angstleiter, gibt dir täglich den nächsten Schritt und lässt dir keine Ausrede durchgehen. 3 Tage gratis, der Reality Check bleibt für immer kostenlos. Keine DiGA, kein Therapieersatz: der Coach für die Tage dazwischen.

Jetzt 3 Tage gratis testen

3 Tage gratis · Reality Check für immer kostenlos · jederzeit kündbar